Berufsunfähigkeitsversicherung: Schüler mit handwerklichem Berufsziel müssen zeitig handeln

Brauchen Schüler wirklich schon eine BU-Versicherung?

Schüler auf dem Schulhof

Eigentlich nicht – könnte man denken! Denn Schüler haben weder einen Beruf noch ein abzusicherndes Einkommen. Aber Jugendliche, die

  • schon Vorerkrankungen erlitten haben oder
  • bereits einen körperlich oder psychisch anstrengenden Berufe erlernen bzw. ausüben,

bekommen häufig keinen vollwertigen und bezahlbaren BU-Schutz mehr angeboten. Und für sie wäre es dann wichtig gewesen, die Berufsunfähigkeitsversicherung noch als Schüler abgeschlossen zu haben.

Ein Problem ist die Berufsgruppeneinstufung der Versicherer. Sie hat den BU-Schutz zwar für viele akademische, kaufmännische und verwaltende Berufe preiswert – für Handwerker und körperlich Tätige aber teuer bis unbezahlbar gemacht. Und schon Auszubildende werden entsprechend des angestrebten Berufsziels eingestuft. Deshalb sollten die Betroffenen bzw. deren Eltern noch rechtzeitig prüfen, ob der Abschluss der BU-Versicherung noch als Schüler sinnvoll wäre.

Die nachfolgende Tabelle zeigt die Beiträge von Auszubildenden in verschiedenen Ausbildungsberufen im Vergleich zu einem gleichaltrigen Real- bzw. Gymnasialschüler am Beispiel einer Berufsunfähigkeitsversicherung mit monatlich 1.000 € versicherter BU-Rente und einer Versicherungs- und Leistungsdauer bis zum 65. Lebensjahr (Stand: 01.03.2017). Andere Beispiele oder Varianten können Sie mit mit unserem Onlinevergleich auch selbst berechnen

Vertragsabschluss
als 16-jähriger ...
Anbieter monatlicher
Tarifbeitrag
monatlicher
Zahlbeitrag
Bankkaufmann (Azubi) Dialog 30,94 € 24,75 €
Bürokaufmann (Azubi) Swiss Life 44,35 € 28,38 €
Schüler (Gymnasium) LV 1871 63,06 € 34,05 €
Schüler (Realschule) LV 1871 76,86 € 41,50 €
Brauer (Azubi) Continentale 77,11 € 46,27 €
KFZ-Mechaniker (Azubi) Continentale 77,11 € 46,27 €
Elektriker (Azubi) Swiss Life 72,39 € 46,33 €
Florist (Azubi) Continentale 95,71 € 57,43 €
Koch (Azubi) die Bayerische 84,11 € 60,14 €
Krankenpfleger (Azubi) Swiss Life 96,43 € 61,71 €
Friseur (Azubi) Basler 86,30 € 64,72 €
Landwirt (Azubi) Stuttgarter 101,27 € 66,84 €
Maler (Azubi) AXA 131,17 € 74,77 €
Fleischer (Azubi) AXA 136,32 € 77,70 €
Bäcker (Azubi) HDI 109,05 € 81,79 €
Baumaschinenführer (Azubi) HDI 109,05 € 81,79 €
Dachdecker (Azubi) Gothaer 136,70 € 89,70 €
Fliesenleger (Azubi) Alte Leipziger 117,24 € 91,44 €
Maurer (Azubi) Alte Leipziger 117,24 € 91,44 €

Grenzen der Berufsunfähigkeitsversicherung während der Schulzeit

Normalerweise ist der frühzeitige Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung in jedem Fall ratsam. Doch beim BU-Schutz für Schüler gibt es ein paar Besonderheiten, die Sie wissen sollten. Danach können Sie die Vor- und Nachteile eines frühzeitigen Abschlusses abwägen.

Fakt 1: Günstiger Gesundheitszustand

Als junger Mensch hat man meistens noch den besten Gesundheitszustand und hat damit die besten Chancen, den gewünschten Versicherungsschutz vom ausgewählten Versicherer zu Normalkonditionen zu bekommen. Das gilt uneingeschränkt auch für Schüler.

Fakt 2: Je niedriger das Alter beim Vertragsabschluss, desto günstiger der Beitrag

Das ist zwar grundsätzlich richtig. Aber der Beitrag ist auch von der Berufsgruppeneinstufung abhängig. Und obwohl das BU-Risiko eines Schülers eher gering ist, wird er nur einer durchschnittlichen Risikogruppe zugeordnet. Denn die Versicherer wissen noch nicht, ob der heutige Schüler später eine Lehre als Bankkaufmann (risikoärmer) oder Maurer (risikoreicher) beginnt.

Dadurch ist für den zukünftigen Maurer ein Vertragsabschluss noch während der Schulzeit in jedem Fall empfehlenswert. Der zukünftige Bankkaufmann könnte seine Berufsunfähigkeitsversicherung dagegen später als Auszubildender deutlich preiswerter abschließen – vorausgesetzt, er bleibt bis dahin gesund (vgl. Tabelle oben)!

Fakt 3: Mehrere Versicherer betrachten auch die Tätigkeit eines Schülers als Beruf

Schüler haben zwar noch keinen Beruf, aber einige Versicherer bieten hierfür Klauseln in dieser oder einer ähnlichen Form an:

Bei Schülern liegt Berufsunfähigkeit vor, wenn die versicherte Person durch Krankheit oder Körperverletzung für mindestens 6 Monate so eingeschränkt ist, dass sie außerstande ist, als Schüler am Unterricht an einer allgemeinen Schule in der Sekundarstufe I oder Sekundarstufe II ohne spezielle Förderung teilzunehmen und auch keine andere, ihrer Ausbildung und Erfahrung sowie bisherigen Lebensstellung entsprechende Tätigkeit konkret ausübt.

Somit ist zunächst erst einmal sichergestellt, dass ein berufsunfähig gewordener Schüler die vereinbarten Leistungen erhält.

Fakt 4: Ein Schüler hat weder eine angeschlossene Ausbildung noch eine hohe Lebensstellung

Wer sich die oben aufgeführte Klausel nochmals genau anschaut, wird den Haken einer Berufsunfähigkeitsversicherung für Schüler erkennen. Denn sobald ein berufsunfähig gewordener Schüler eine, seiner Ausbildung und Erfahrung sowie seiner bisherigen Lebensstellung entsprechende Tätigkeit aufnimmt, endet die Berufsunfähigkeit und damit auch die Zahlung des Versicherers. Und sowohl die Ausbildung als auch die Lebensstellung (soziale Wertschätzung und Einkommen) des Schülers waren noch nicht sonderlich hoch.

War also der Versicherte zum Zeitpunkt des Eintritts der Berufsunfähigkeit noch Schüler, wird der Versicherer seine Zahlungen einstellen, sobald der Versicherte eine (einfache und schlecht bezahlte) Tätigkeit aufnimmt – selbst wenn er ursprünglich ein Studium angestrebt hatte. Dies wird in der Versicherungsbranche als konkrete Verweisung bezeichnet und ist durchaus üblich. Eine konkrete Verweisung mit klaren Regeln ist bei Berufstätigen mit einer fundierten Lebensstellung auch kein Problem – für Schüler, Studenten und Auszubildende bringt sie aber durchaus Nachteile.

Niemand bleibt ewig Schüler

Wer eine Berufsunfähigkeitsversicherung schon als Schüler abschließt, sollte aber auch auf optimale Versicherungsbedingungen später während der Ausbildungs- bzw. Studienzeit sowie der darauf folgenden Berufstätigkeit achten. Es nützt dem Versicherten nichts, wenn er nach Abschluss der Schulzeit lediglich „in einen dann gültigen Tarif“ wechseln kann. Oder wissen Sie, welche Bedingungen und Klauseln diesem dann zugrunde liegen werden?

Gleiches gilt für den Beitrag. Manche Versicherer sehen bei Beginn einer Berufsausbildung bzw. Berufsaufnahme eine Neukalkulation der Beiträge entsprechend der dann ausgeübten Ausbildung bzw. Tätigkeit vor. Das kann zwar für einen angehenden Bankkaufmann vorteilhaft sein – aber extrem teuer werden, wenn sich das Ausbildungsziel ändert und dann beispielsweise ein Lehramt-Studium oder eine Ausbildung in einem Risikoberuf angestrebt wird.

Alle Versicherer begrenzen bei Schülern die versicherbare Berufsunfähigkeitsrente. Achten Sie deshalb auf gute Möglichkeiten zur späteren Erhöhung der versicherten Berufsunfähigkeitsrente. Insbesondere für Schüler mit einem körperlich oder psychisch anstrengenden Berufsziel ist wichtig, dass der Versicherer im Rahmen seiner Nachversicherungsgarantie nicht nur auf eine Gesundheitsprüfung, sondern auch auf die Prüfung des dann ausgeübten Berufs verzichtet.

Bei Schülern ergeben sich meist sehr lange Versicherungsdauern. Selbst wenn sie heute eine monatliche BU-Rente in Höhe von 1.000 € als ausreichend empfinden, infolge der stetig steigenden Kosten wird dies in 20, 30 oder gar 40 Jahren garantiert nicht mehr ausreichen. Achten Sie deshalb auf eine Beitragsdynamik. Dann können Sie jährlich entscheiden, ob Sie die versicherte BU-Rente zum Ausgleich der jährlichen Inflation erhöhen wollen.

Bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung für Schüler gibt es viel zu beachten. Lassen Sie sich online beraten – kostenlos und garantiert ohne Vertreterbesuch.